MagazinBundesjagdgesetz: Tierschutzorganisationen kritisieren geplante Verschlechterungen des Tierschutzes in der...

Bundesjagdgesetz: Tierschutzorganisationen kritisieren geplante Verschlechterungen des Tierschutzes in der Jagd

-

Berlin (ots) – Ein breites Bündnis von Tier- und Naturschutzorganisationen lehnt den vorliegenden Entwurf zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes ab. Aus Sicht der Verbände ist der Entwurf in vielen Punkten tierschutz- und wildtierfeindlich. Das geht aus einer gemeinsamen Stellungnahme von insgesamt 28 Tier- und Naturschutzorganisationen hervor (https://09ee64d3-0784-49b6-9554-5616c35b7378.filesusr.com/ugd/173a38_18d651a3667742dc8c601f91e0c00390.pdf), die am 15. Januar zuständigen Ministerien und Fachausschüssen zugestellt wurde.

Ziel der Organisationen ist es, der von Forst- und Jagdinteressen dominierten Novelle ein starkes Bündnis gegen die schleichende Aufweichung des Tierschutzes im Jagdrecht entgegenzusetzen. Das auch vor dem Hintergrund, seitens des federführenden Bundeslandwirtschaftsministeriums bisher nicht ernsthaft zu diesem Thema gehört worden zu sein – im Gegensatz zu den Nutzerverbänden der Jagd und der Forstwirtschaft.

Das Bündnis fordert, dass bei einer Novelle des Bundesjagdgesetzes wissenschaftliche, wildbiologische, wildökologische und tierschutzrechtliche Aspekte stärker berücksichtigt werden. Denn nach wie vor fehlt im Bundesjagdgesetz eine klare und eindeutige Regelung dahingehend, dass ein „vernünftiger Grund“ für das Töten von Tieren im Rahmen der Jagd zwingend erforderlich ist, und wie dieser nachzuweisen ist. Folgerichtig fordert das Bündnis die Liste der jagdbaren Tierarten im Bundesjagdgesetz – nicht zuletzt auch aufgrund der veränderten gesellschaftlichen Einstellung zum Tierschutz, die sich rechtlich im Staatsziel Tierschutz widerspiegelt – anzupassen.

Denn davon ist die Jagdgesetzgebung weit entfernt. Im Gegenteil, werden die in der Jägerschaft so zentral propagierten Tierschutzanforderungen im unbestimmten Rechtsbegriff der Weidgerechtigkeit nach und nach aufgegeben, so dass selbst der fahrlässige Abschuss von für den Nachwuchs lebensnotwendigen Elterntieren zur tierschutzrechtlichen Bagatelle runtergestuft werden soll.

Zulasten des Tierschutzes geht auch die Erweiterung des Hegebegriffs. Künftig soll „insbesondere eine Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ möglich sein. Da wo es bisher üblich war, neue Schonungen für eine Übergangszeit einzuzäunen, wird nun propagiert Wildtierbestände soweit zu dezimieren, dass von ihnen kein unerwünschter Einfluss auf die Vegetation ausgehen kann. Das ist Ausfluss einer nicht zielführenden und tierfeindlichen Wald-vor-Wild-Ideologie, wie sie heute bereits mit bekannten Folgen für Rehe und Rothirsche in den Staatsforsten von Bayern, Sachsen und weiteren Bundesländern umgesetzt wird. Diese Art der Jagd greift massiv in die natürliche Alters- und Sozialstruktur der großen Grasfresser ein, nimmt den Kitzen und den Kälbern ihre Eltern und konterkariert eine wesentliche Funktion der Hege in der Jagd, nämlich die „Erhaltung eines gesunden und artenreichen Wildbestandes“.

Kritisch zu sehen ist nicht zuletzt die vorgesehene massive technische Aufrüstung der Jäger zur Tötung von Wildtieren durch die Möglichkeit der Verwendung künstlicher Lichtquellen, Vorrichtungen zum Anstrahlen oder Beleuchten des Zieles, einschließlich Infrarotaufhellern und Nachtzielgeräten. Die schon heute stattfindende ganzjährige Jagd nimmt den Tieren mit diesen Möglichkeiten – auch denen, die nicht bejagt werden – den bislang letzten Rückzugsort, nämlich die Nacht.

+++

Gemeinsame Stellungnahme der Tier- und Naturschutzorganisationen (https://09ee64d3-0784-49b6-9554-5616c35b7378.filesusr.com/ugd/173a38_18d651a3667742dc8c601f91e0c00390.pdf)

Mehr zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes (https://www.wildtierschutz-deutschland.de/wildtierblog/categories/bundesjagdgesetz)

Über Wildtierschutz Deutschland e.V.:

Wildtierschutz Deutschland wurde 2011 gegründet und setzt sich seitdem für die Abschaffung der Jagd ein, wo sie tierquälerisch ist oder nicht einem vernünftigen Grund gemäß Tierschutzgesetz folgt. Außerdem engagiert sich der Verein für die Aufnahme, Versorgung und Auswilderung von in Not geratenen Wildtieren. Mitbegründer des www.aktionsbuendnis-fuchs.de (http://www.aktionsbuendnis-fuchs.de) Mitglied der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT)

Pressekontakt:
Lovis Kauertz | Wildtierschutz Deutschland e.V.
T. 0177 72 300 86 | [email protected]
www.wildtierschutz-deutschland.de
www.facebook.com/wildtierschutz
Original-Content von: Wildtierschutz Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

Lena Schnell
Lena Schnellhttps://gruenspar.de
Meine Eltern waren schon immer sehr umweltbewusst und seit ich für mein Ökologie Studium ausgezogen bin, versuche auch ich ohne Plastik zu leben und die Nachhaltigkeit in meinem Alltag zu verbessern. Nicht jeder hat das Glück, es bereits vorgelebt zu bekommen, deswegen möchte ich meinen Teil dazu betragen, auch anderen zu zeigen, wie einfach es sein kann. Denn nur, wenn wir mit anderen darüber sprechen und unsere Erfahrungen teilen, können wir andere unterstützen, den gleichen Weg zu gehen.

Neueste Beiträge

Eco24 Erfahrungen – Das berichten Kunden über die Schuldnerberatung

Die endgültige Verzweiflung macht sich breit, wenn die Menschen bis zum Hals mit Schulden überhäuft sind. Vor dieser endgültigen...

Haltung sticht Lobby / Reges Interesse seitens konventioneller Landwirte an ökologischer Landwirtschaft

Bohlsen (ots) - Erfolgsfaktor Zusammenarbeit mit mittelständischen Verarbeitungsbetrieben in der Region // Landwirte wollen mit der Natur statt gegen...

Weltneuheit für saubere Gewässer

Wien (ots) - INTERSPILL 2022 Amsterdam Weltneuheit auf dem Gebiet der Ölunfallsanierung sowie zur Beseitigung von Ölschlieren an Wasseroberflächen. Der OCEAN...

Report: Solar-Häuser können zehn Kohlekraftwerke ersetzen

Hamburg (ots) - - Potential für die Energiewende im Eigenheim bisher kaum ausgeschöpft - Prosumer Index bei 9,5 von 100...
- Anzeige -

Klimaschutz an Schulen: Grundschule aus Mecklenburg-Vorpommern ist Bundessieger beim Energiesparmeister-Wettbewerb / Silber und Bronze für Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg / Preise für 17 Schulen

Berlin (ots) - Die Christliche Münster Schule Bad Doberan ist Bundessieger beim Klimaschutz-Wettbewerb für Schulen (www.energiesparmeister.de). Das wurde heute...

E WIE EINFACH setzt mit überdimensionalem 3D Street-Art Mural ein Zeichen für Ökostrom im Gaming

Köln (ots) - - Partnerschaft zwischen E WIE EINFACH und PlayStation ist jetzt auch an Kölner Hauswand zu...
- Anzeige -

Was Ihnen sonst noch gefallen könnteVerwandt
Vorschläge der Redaktion